• PONTIUS PILATUS
PONTIUS PILATUS – Rapper und Autor Andri Perl konzipiert PONTIUS PILATUS nach Michail Bulgakows Roman ‹Meister und Margarita› und bringt damit eine diabolische Variante der Passion auf die Bühne. ‹Meister und Margarita› ist eines der zentralen Werke der sowjetischen Literatur. Lange verboten, erlangt es mit der Erstveröffentlichung in den 1960er-Jahren Kultstatus. Der Teufel, der mit seinem Gefolge ins stalinistische Moskau einbricht, veranstaltet eine grosses Tohuwabohu und wirft die Frage nach der Konstruktion von Wahrheit im Totalitarismus auf. Unter anderem, indem er behauptet, bei der Kreuzigung Jesu Christi dabei gewesen zu sein und die wahre Geschichte von Pontius Pilatus zu kennen.

Regisseurin Katharina Cromme hat aus den bekannten Churer Schauspielern Marco Luca Castelli und Christian Sprecher sowie aus dem Basler Lukas Kubik und der Berlinerin Mirjam Smeijkal ein teuflisches Kabinett geformt, das Pilatus’ Leiden präsentiert. Die Schauspieltruppe hat im Probenprozess viel Einfluss auf die Art und Weise der Präsentation genommen und verwebt mit viel Schalk Pilatus’ Geschichte mit dem Aufführungsort Chur und den brennenden Fragen nach der Gültigkeit von Fakten und Überlieferung im Zeitalter von Fake News. Begleitet wird das Kabinett von bekannten, aber verfremdeten Klängen. Die Churer Band ‹Waving Hands› – Hannes Barfuss, Yassin Mahdi und Heinz Kunz – setzen sich ebenfalls mit einer Überlieferung der Passion auseinander und verarbeiten feinsinnig Motive aus der Matthäus-Passion von Johann Sebastian Bach.

Für die Bühne verantwortlich ist Viktoria Riedo-Hovhannessian. Die grossen, verworrenen Textilbahnen, die sie auf die Bühne bringt, nehmen ebenfalls die Idee der langen Überlieferung auf. Die linguistische Verwandtschaft von Text und Textil ist kein Zufall. An beiden wird gesponnen, beide werden verwoben, vernäht oder wieder zerrissen.